carrot dancers

Dem Tanz verfallen

Die Schweizerin Nicole Meier lebt, tanzt und choreografiert in Dresden

Traumberuf Ballerina? Dieses Ziel verfolgte die Tänzerin Nicole Meier von klein auf. Nach der Ausbildung in Dresden tanzte sie sich durchs Leben.

Damit aber nicht genug. Sie suchte nach einer grösseren Herausforderung und engagiert sich heute auch als Choreografin. Angefangen zu tanzen hat sie mit vier Jahren in der Wanda-Weber-Bentele-Schule, später im Dance Loft, beide in Rorschach. Danach genoss sie Tanzunterricht bei Marianne Fuchs und Angelika Haindl an der Theatertanzschule in St. Gallen. Da ihr Interesse dem klassischen Ballett sowie dem Modern-Bereich galt, entschied sie sich für ein Hochschulstudium für Bühnentanz an der Palucca Schule in Dresden.

Kein Heimweh

«Nein, ich vermisse die Schweiz nicht. Es ist schön, in der Schweiz Kurse zu geben, doch zurückzukehren kann ich mir nicht vorstellen», erzählt Nicole Meier. Sie sei sich gar nicht mehr gewöhnt «St. Gallerdütsch» zu sprechen, was die Ansage auf dem Telefonbeantworter in überzeugendem Hochdeutsch bestätigt. Ein Gastspiel in St. Gallen würde sie aber jederzeit annehmen. Im Rahmen der Kantonsfeier gab sie einen Workshop für Kinder in Goldach. «In Dresden gibt es viel, viel mehr Theater», schwärmt Nicole Meier. Dresden sei offen: Traditionelles, kitschiges Ballett wie auch moderne Tanztheater stiessen hier auf Anklang, wo hingegen in St.Gallen schon eher Kritik geäussert werde gegenüber ausgefallenen Produktionen. Obschon sie sich in Dresden wohl fühlt, sind das Reisen und Wechseln des Wohnortes ständig ein Thema. «Natürlich ist es schön, wenn man den einen oder anderen Kritiker auf seiner Seite weiss und Beziehungen aufgebaut hat», meint Nicole Meier, «doch Neuanfänge müssen sein, auch wenn es schwierig ist - sonst wird es langweilig.» So verbrachte die aufgestellte Goldacherin 1998 ein Jahr in Zimbabwe und tanzte in der «Tumbuka Dance Company» des Nationalballetts. Unter anderem stand sie auch in Schwerin, Berlin und Venedig auf der Bühne.

Kein Zuckerschlecken

Die Tanzhochschule in Dresden ist die einzige in Deutschland, wo man einen Uniabschluss mit moderner und klassischer Tanzausbildung verbinden kann. So verbrachte Nicole Meier die vier Jahre nicht nur im Ballettsaal, sondern besuchte auch Fächer wie Tanz- und Musikgeschichte oder Anatomie. Täglich trainierten die angehenden Tänzerinnen und Tänzer Klassisches Ballett und Modern. Hinzu kamen Spitzentraining, Improvisation und das Aneignen eines klassischen wie auch modernen Repertoires. «Im Studium wurde man schon hart drangenommen», beschreibt sie ihre gute, aber körperintensive Ausbildung. Doch Zweifel, ob es das Richtige sei, kamen nie auf. «Auch seitens der Eltern nicht», lobt sie deren drucklose Unterstützung. Nicole Meier wusste um ihr Talent und Können und trainierte immer weiter. Der Traum der Ballerina ist jedoch kein Zuckerschlecken. Die Konkurrenz schläft nicht, und der Wettkampf unter den Tänzerinnen ist zu spüren. Freundschaften habe sie zwar geschlossen, früher oder später aber gemerkt, dass man niemandem wirklich trauen könne. Wahre Freunde müsse man sich nicht in der Tanzszene suchen. Beträchtlich weniger konkurrenzbelastet sei das Verhältnis zu Männern. Selbst nach dem Studium hält das Kämpfen an, wenn es um die Jobsuche geht. «Wäre es anders, würde es uns nicht gefallen, das macht die Sache doch spannend», beschwichtigt sie lachend. Dass von den Ballerinas körperlich ein immenser Einsatz gefordert wird, spürt Nicole Meier schon jetzt in Hüften und Rücken. Im ersten Jahr des Studiums erlitt sie einen Bänderriss. «Damals dachte ich für kurze Zeit: ‹Jetzt ist es aus!› Doch ein Schweizer Arzt brachte alles wieder ins Lot.»

Tanzen so lange wie möglich

Seit sechs Jahren unterrichtet Nicole Meier regelmässig. Dies bereite ihr zwar Freude, sie lerne viel über die Perfektion der Bewegungen, aber selbst zu tanzen und weiterzukommen behalte Vorrang. Mit ihrer eigens gegründeten Tanzkompanie «Carrot-Dancers» studiert sie Choreografien ein, die sie an Tanzfestivals vorstellt, in der Hoffnung, sie als Gastspiele an andere Theater verkaufen zu können. Als Choreografin schreibt sie das Konzept für die Stücke selbst. Sie bevorzugt das Tanztheater, eine Form des modernen Balletts, in dem nebst dem Tanz Requisiten, Stimmen und anderes einfliessen können. Die Tänzerinnen und Tänzer sucht sie nicht nur nach dem tänzerischen Talent aus, sondern auch nach dem Typ. «Sie müssen in das Stück passen.» Leider sei es finanziell kaum möglich, heutzutage eine Kompanie mit festangestellten Tänzerinnen und Tänzern zu führen. In den Pausen müssen die meisten unterrichten. Grund dafür seien auch die zurückgegangenen Förderungen. Nicole Meier ist eine der wenigen, die sich eine Auszeichnung erarbeiten konnten. Der motivierten Künstlerin wurde das Stipendium für zeitgenössische Choreografie und Tanz 03/04 der Kulturstiftung der Dresdner Bank zugesprochen. Was die Jury überzeugte, waren die Bandbreite ihres Schaffens, ihr tänzerisches Können, das kreative Potenzial ihrer Choreografien und die gelungene Verbindung tänzerischer und schauspielerischer Elemente. Dieses Stipendium ermöglicht es ihr, für zwei bis drei Monate am «Dance Theatre Ireland» zu trainieren und mit der Gruppe an der Tanzwoche in Dresden aufzutreten. «Das ist für mich ein Riesenerfolg», freut sie sich. In dieser Zeit muss sie sich finanziell keine Sorgen machen. Die Stiftung stellt die Mittel für Reisekosten, Aufenthalt und die Realisierung der Aufführung zur Verfügung.

Weitere Informationen und Bilder über die Goldacherin finden sich unter: www.carrot-dancers.de



Ich will nicht hübsch und niedlich tanzen !

Gret Palucca

Neue Produktion

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