ERROR

Festspielhaus Hellerau, 10. Tanzwoche Dresden

 

 

Kurzbeschreibung:
Da steht er nun, der neue Mensch, das Objekt. Gerade noch hatte er eine Rede gehalten, er wusste nicht wirklich was er geredet hat und es ist ihm auch unbedeutend. Sein grösstes Ziel ist seine Verwirklichung und auf diesem Weg muss man Kompromisse eingehen. Das weiss er. Doch der Moment, indem alles nicht mehr stimmt, die Realität in ungreifbare Ferne rückt, und die Sicherheit, dieses Ziel noch zu erreichen, schwindet mit jeder Situation, die nicht dorthin führt aber gefordert wird. Er ist Bestandteil eines Systems, auch wenn er denkt, dass sein Weg der richtige ist; er ist es nicht, weil er nicht seinen Weg geht.
Er wird das machen, was ich von ihm verlange. Ich mache ihn zu einem beliebigen Werkzeug. Ich kann ihn zurückgeben, ich kann alles, ich bezahle.
Nicht jedes Objekt ist so, es gibt auch Prinzipien, von denen es abweicht. Ich baue es mit ein, es soll ja nicht seine Glaubwürdigkeit (als menschlicher Mensch) verlieren
und auch nicht seine Selbstachtung. Der Mensch wird austauschbar. Wenn er sich dagegen wehrt, wird er zerstört. Der Ausweg ist Anpassen an die jeweilige Situation - nur für diesen Moment selbstverständlich, nicht für immer.
Oder ich gehe einen Umweg um mein Ziel zu erreichen. Warum?
Es ist Angst. Es ist Feigheit. Oder ist es Politik?
Das Ziel ist Vision geworden. Er kann es nur noch vorbereiten. Ein anderer wird seinen Weg zu Ende führen. Der andere - wie einfach doch alles sein kann!
Der neue Mensch ist ersetzt, beliebig, belanglos, zerstört - aber alles ist in Ordnung.

 

Idee und Konzeption:
Nicole Meier und Maik Blaum


Es tanzen:
- Nicole Meier
- Richard Joerss
- Thomas Winkler


Choreographie:
Nicole Meier


Lichtkonzept:
Maik Blaum


E-Gitarre:
- Falk Scheffler
- Wieland Griffel

Musik:
Mixas von G.Winterberg


Sponsor und Unterstützung:
Tanzbühne Dresden, Kulturamt Dresden, Tanzstudio Espiral, Mrs.Hippy, Herr Rosso und sein Hund, Ballett-shop la Danse, projekttheater dresden, Derevo Laboratorium, Harald Wandtke, Mami und Papi Meier, Ruprecht Lademann, Lars Schwenzer, Sven Ruboff, Diana Schröter, Wolfram Kollig, Johannes Bönig, Sven Fischer, Jens Dietrich, Mario Blaum, Rene Thiel, Gregor Kienast, Udo Zickwolf, Kjelt black box music...

Presse:
Dresdner neueste Nachrichten, 05.07.2001
"Sie beginnt wie eine verspätete Tanzwochen-Eröffnung mit einer Begrüssungsrede, imaginärer Anwesenheit von Vertretern des Kulturstaatsministers des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der Landeshauptstadt selbstverständlich - "ERROR" heisst die neueste Produktion der carrot dancers. Sie beschreibt die Grenzen dessen, was durch Wollen und Training erreichbar ist. Auf der sprachlichen Ebene sind Irrtümer nur zu deutlich, auch ironischer zugespitzt als im Programmheft nachzulesen. Kurz vor den letzten rhetorischen Untiefen wird dem nicht vorhandenen Redner das Mikro weggerissen, von zwei etwas unbeholfen wirkenden Anzugsträgern, die sich nun in einer Performance von Gesellschafts- zu grafisch gestylten Turnmenschen wandeln.
ERROR ist eine Tanztheaterproduktion, die Musik nicht nur als Versatzmaterial benutzt und domestiziert, sondern aus ihr und mit ihr lebt. Nicole Meier versucht, nach einem barock klingenden Intro ihre gleitenden Bewegungen ins Technuzeitalter mitzunehmen, wird aber von den beiden Athleten im akrobatischen Kampfspiel ziehmlich harsch unterdrückt. Um die diffizielen Beats aufzunehmen und Übereinstimmung mit dem Takt herzustellen, genügen aber schon kleine gestische Andeutungen, die unvermittelten, aggressiven Straffungen der männlichen Körper setzten Akzente.
Über 100 Scheinwerfer schaffen Atmosphärische Dichte. Besonders eindrucksvoll, ein blauer Lichtbalken, der sich mit fallender Frequenz eines Tongenerators bis auf den Boden senkt. G.Winterbergs Electronics und Samplers ergänzt/kontrastiert von Liveeinlagen der Gitarristen auf den Türmen des angedeuteten Bühnenportals. Wenn es rhythmisch
mal etwas klemmt, wird das nicht etwa durch Härte ausgeglichen, sogar für Akustische ist Platz, fast ein Kammerspiel oben und unten. Im Wechsel sportlich und familiär, zelebriert das Tänzertrio Vorwärtsbewegung durch Körperschichtung. Im Unter-Durch- und Übereinander wird fast abstrahiert vom erotischen Potential. Doch wenn jetzt Weiblichkeit zu triumphieren scheint, naht wohl der eigentliche ERROR: eine männliche Diva vorm Spiegel, aber das Glas geht zu Bruch, der Verwirrte unterwirft sich anschliessend eisernem, in militärischer Diktion befohlenem Drill. Bis sein Herrscher im Dunkel versinkt, unter Beats wie aus splitterndem Glas und metallischen Gitarrengriffs die Gruppe sich wieder findet. Nunmehr aber ihrem Bewegungsdrang verfallen bis zur Erschöpfung, zum Zusammenbruch. Die Frau fällt zuletzt und nicht zu spät. Kryptisches, Angedeutetes und simples bleiben in sympathischem Verhältnis. Am Ende stehen alle unter einem fein rieselnden Vorhang aus kühler Feuchte.