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Kurzbeschreibung:
Da steht
er nun, der neue Mensch, das Objekt. Gerade noch hatte er eine Rede
gehalten, er wusste nicht wirklich was er geredet hat und es ist ihm
auch unbedeutend. Sein grösstes Ziel ist seine Verwirklichung und
auf diesem Weg muss man Kompromisse eingehen. Das weiss er. Doch der
Moment, indem alles nicht mehr stimmt, die Realität in ungreifbare
Ferne rückt, und die Sicherheit, dieses Ziel noch zu erreichen,
schwindet mit jeder Situation, die nicht dorthin führt aber gefordert
wird. Er ist Bestandteil eines Systems, auch wenn er denkt, dass sein
Weg der richtige ist; er ist es nicht, weil er nicht seinen Weg geht.
Er wird das machen, was ich von ihm verlange. Ich mache ihn zu einem
beliebigen Werkzeug. Ich kann ihn zurückgeben, ich kann alles,
ich bezahle.
Nicht jedes Objekt ist so, es gibt auch Prinzipien, von denen es abweicht.
Ich baue es mit ein, es soll ja nicht seine Glaubwürdigkeit (als
menschlicher Mensch) verlieren
und auch
nicht seine Selbstachtung. Der Mensch wird austauschbar. Wenn er sich
dagegen wehrt, wird er zerstört. Der Ausweg ist Anpassen an die
jeweilige Situation - nur für diesen Moment selbstverständlich,
nicht für immer.
Oder ich gehe einen Umweg um mein Ziel zu erreichen. Warum?
Es ist Angst. Es ist Feigheit. Oder ist es Politik?
Das Ziel ist Vision geworden. Er kann es nur noch vorbereiten. Ein anderer
wird seinen Weg zu Ende führen. Der andere - wie einfach doch alles
sein kann!
Der neue Mensch ist ersetzt, beliebig, belanglos, zerstört - aber
alles ist in Ordnung.
Idee und Konzeption:
Nicole
Meier und Maik Blaum
Es tanzen:
- Nicole
Meier
- Richard Joerss
- Thomas Winkler
Choreographie:
Nicole Meier
Lichtkonzept:
Maik Blaum
E-Gitarre:
- Falk
Scheffler
- Wieland Griffel
Musik:
Mixas von G.Winterberg
Sponsor und Unterstützung:
Tanzbühne Dresden, Kulturamt Dresden, Tanzstudio Espiral, Mrs.Hippy,
Herr Rosso und sein Hund, Ballett-shop la Danse, projekttheater dresden,
Derevo Laboratorium, Harald Wandtke, Mami und Papi Meier, Ruprecht Lademann,
Lars Schwenzer, Sven Ruboff, Diana Schröter, Wolfram Kollig, Johannes
Bönig, Sven Fischer, Jens Dietrich, Mario Blaum, Rene Thiel, Gregor
Kienast, Udo Zickwolf, Kjelt black box music...
Presse:
Dresdner
neueste Nachrichten, 05.07.2001
"Sie beginnt wie eine verspätete Tanzwochen-Eröffnung
mit einer Begrüssungsrede, imaginärer Anwesenheit von Vertretern
des Kulturstaatsministers des Sächsischen Ministeriums für
Wissenschaft und Kunst, der Landeshauptstadt selbstverständlich
- "ERROR" heisst die neueste Produktion der carrot dancers.
Sie beschreibt die Grenzen dessen, was durch Wollen und Training erreichbar
ist. Auf der sprachlichen Ebene sind Irrtümer nur zu deutlich,
auch ironischer zugespitzt als im Programmheft nachzulesen. Kurz vor
den letzten rhetorischen Untiefen wird dem nicht vorhandenen Redner
das Mikro weggerissen, von zwei etwas unbeholfen wirkenden Anzugsträgern,
die sich nun in einer Performance von Gesellschafts- zu grafisch gestylten
Turnmenschen wandeln.
ERROR ist eine Tanztheaterproduktion, die Musik nicht nur als Versatzmaterial
benutzt und domestiziert, sondern aus ihr und mit ihr lebt. Nicole Meier
versucht, nach einem barock klingenden Intro ihre gleitenden Bewegungen
ins Technuzeitalter mitzunehmen, wird aber von den beiden Athleten im
akrobatischen Kampfspiel ziehmlich harsch unterdrückt. Um die diffizielen
Beats aufzunehmen und Übereinstimmung mit dem Takt herzustellen,
genügen aber schon kleine gestische Andeutungen, die unvermittelten,
aggressiven Straffungen der männlichen Körper setzten Akzente.
Über 100 Scheinwerfer schaffen Atmosphärische Dichte. Besonders
eindrucksvoll, ein blauer Lichtbalken, der sich mit fallender Frequenz
eines Tongenerators bis auf den Boden senkt. G.Winterbergs Electronics
und Samplers ergänzt/kontrastiert von Liveeinlagen der Gitarristen
auf den Türmen des angedeuteten Bühnenportals. Wenn es rhythmisch
mal etwas
klemmt, wird das nicht etwa durch Härte ausgeglichen, sogar für
Akustische ist Platz, fast ein Kammerspiel oben und unten. Im Wechsel
sportlich und familiär, zelebriert das Tänzertrio Vorwärtsbewegung
durch Körperschichtung. Im Unter-Durch- und Übereinander wird
fast abstrahiert vom erotischen Potential. Doch wenn jetzt Weiblichkeit
zu triumphieren scheint, naht wohl der eigentliche ERROR: eine männliche
Diva vorm Spiegel, aber das Glas geht zu Bruch, der Verwirrte unterwirft
sich anschliessend eisernem, in militärischer Diktion befohlenem
Drill. Bis sein Herrscher im Dunkel versinkt, unter Beats wie aus splitterndem
Glas und metallischen Gitarrengriffs die Gruppe sich wieder findet.
Nunmehr aber ihrem Bewegungsdrang verfallen bis zur Erschöpfung,
zum Zusammenbruch. Die Frau fällt zuletzt und nicht zu spät.
Kryptisches, Angedeutetes und simples bleiben in sympathischem Verhältnis.
Am Ende stehen alle unter einem fein rieselnden Vorhang aus kühler
Feuchte.

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