Kakerlaken zum Fest

projekttheater dresden

 
 
Kurzbeschreibung:
Das Publikum sitzt an einer langen Tafel. Es wird mit einem delikaten Frühstück verwöhnt. Eine Vermeidung bestimmter Speisen beziehungsweise Ekel davor, geschieht aus Angst vor den Folgen, die Tod und Krankheit, Unbekömmlichkeit und Schlechtfühlen, Mundgeruch und Erbrechen, Blähungen und Durchfall, Dickwerden und Hässlichkeit sowie gesellschaftliche Ächtung bedeuten können.
 
 


Es tanzen und spielen:
- Nicole Meier
- Anja Epperlein
- Marlene Tanzick
- Nathalja Starosta
- Wiebke Tille
- Josefine Kammler
- Deborah Geppert


 
Choreographie:
Nicole Meier
 
 
 
Musikcollage:
Nicole Meier
 
Lichtkonzept:
Maik Blaum
 
 

Presse:
Dresdner Neueste Nachrichten:
"So toll ist die geschmackliche Vorstellung nun nicht gerade:Kakerlaken zum Frühstück! Und das soll dann auch noch delikat sein! Wer sich dennoch ins projekttheater wagt, um ein derartiges Mahl zu sich zu nehmen, braucht es nicht bereuen. Liebevoll ist für alle Gäste der Schmaus bereitet, auf einer grossen, üppig gefüllten Tafel, auf jeglichem Platz. Gesunde Kost mit Obst, Säften und Joghurt, schmackhaften Kakerlakenbrötchen, süsse Marienkäferchen...

Die Schweizerin Nicole Meier hat sich zu diesem Projekt von dem Buch "Das offene Geheimnis" von Jean Henri Fabre inspirieren lassen. Obwohl dem Publikum manch makabere Geschichte offeriert wird ist offensichtlich keiner darauf bedacht, anderen den Appetit zu verderben. Auch nicht, wenn Marmelade um knackige Fleischhäppchen ergänzt wird oder gefrässige Gottesanbeterin ihren begattenden Herrn noch während des Liebesaktes anknabbert. Sie hat ihn halt zum Fressen gern...

 
 
ES und ER
Heute abend strahlt aus dem Küchenfensterviereck noch ein Licht in die Dunkelheit hinaus. Drinnen umströmt die blaue Gasflamme den Teekessel.
ER und ES begegnen sich nie. ER ist zu müde, um sich noch Spaghetti zu kochen. Er klappert mit dem Besteck, Tellern, mit Butterdose und Marmeladengläschen.
ES ist überrascht von der späten Helligkeit. Der flache Körper tastet sich mit den langen Fühlern entlang am Kehrrichteimer, von dem ein süsslicher Geruch ausgeht. Dort will es hinauf, hinein, doch nein! Sein Körper fällt zu Boden, die Beinchen zappeln in eine andere Richtung.
ES und ER wissen nichts voneinander.
ES krabbelt nun das Tischbein nach oben, denn von dort lockt die noch süssere Verführung. Der Duft pulst ihm in Wellen entgegen, als die Fühler über der Platte auftauchen. ER legt die butterbestrichene Scheibe Brot auf den Teller zurück und greift zur Sauerkirschkonfitüre, lässt das Glas jedoch sinken, als der Teekessel pfeift.
Flugs kriechen die Beinchen die klebrige Senkrechte empor und schon plumpst ES in die duftende Süsse. ES verendet zuckend wie die Fliege schwimmend auf der Milchhaut, zwischen eingelegten Sauerkirschen
und Zuckersirup. ER brüht den Tee auf, schmiert sich das Marmeladenbrot. Mit ärgerlichem Knurren bemerkt ER ein knirschendes Geräusch zwischen den Zähnen.
Sie haben nie voneinander erfahren.
Wie ER die Kakerlake mit beherztem Griff aus dem Glas auf sein Brot katapultiert hat, wie ER sie zwischen des Messers Schneide und Butterschicht zerquetschte, wie der Chitinpanzer mit einem absonderlichen Knacken geborsten war und die gelbliche Masse hervorgequollen war, die sich dann mit seiner Speichelflüssigkeit mischte, bleibt unentdeckt.
 
 
 
 
 
Sponsor und Unterstützung:
- Tanzbühne Dresden
- projekttheater dresden
- Mami und Papi Meier