
Kurzbeschreibung:
Karen Wettmüller
ist Mitte 20, hat Erfolg im beruflichen Leben, genug Geld um ihren
Schuhfetisch auszukosten und sieht gut aus. Es fehlt nur eins in ihrem
Leben: Der Mann.
"Karen" ist ein Solostück über das Single Leben
und neurotische Partnersuche. Hilfe sucht sich die Stückheldin....na?....in
einer Selbsthilfegruppe - wo denn sonst?! Mit Selbstironie reflektiert
sie dort zwar ihren Alltag, aber trotzdem sieht sie nicht, was eigentlich
los ist.
Darstellerin:
Nicole Meier
Regie:
Cory McLeod
Presse:
Nicole Meier macht das Publikum zur Selbsthilfegruppe
"....Die jung Frau, die vor der versammelten Menge auf ihrem
Stuhl Platz nimmt, wirkt schon einigermassen linkisch. Was sie der
versammelten Selbsthilfegruppe zumuten will, ist ihr autobiographischer
Exkurs zur Frage "Warum bin ich ein Single?" Wie sie das
so von sich gibt, glaubt man schon zu wissen, warum, und in dieses
leicht unangenehme Berührtsein mischt sich womöglich noch
die Befürchtung, dass sich die Tänzerin Nicole Meier hier
peinlichst auf dem falschen Fuss antreffen lässt. Doch keine
Angst, auch das ist gespielt. Denn Meiers Ausflug in ein anderes Genre
ist kein unkontrollierter Ausbruch übersteigerten Selbstbewusstseins,
sondern sorgsam kalkuliert und kontrolliert in der Zusammenarbeit
mit dem Regisseur Cory McLeod.
Der Bericht, warum Karen den Frauenarzt Erik, der sozusagen von selbst
in den Schoss fiel, am Ende nicht halten kann, bietet eine Serie von
Metamorphosen, ausgelöst von Karens Frage "Wer bin ich (respektive:
wer/ wie möchte ich sein)?" Dass es am Ende infolge Übermotivation
auf eine Nymphomanin hinausläuft, die Erik richtig Angst macht,
vermeidet Rührseligkeit und passt zum Comic-artigen Erzählstil,
der auch mit den entsprechenden Interjektionen nicht geizt. Obwohl
die gar keine Form von Sprachlosigkeiten haben und nur vom hektischen
Rhythmus dieses ziemlich frustrierenden kleinen Lebens erzählen.
Im Wechsel von Parodie, Understatement und sehr genau beobachteten
Quasi-Dialogen lässt Karen ein kleines Panoptikum von Männern
und in besonderes plastischer Eindringlichkeit ihre gutbürgerliche
Mutter aufmarschieren. Frappierend, dass Nicole Meier, die mit sehr
genauen, kleinen Gesten und Bewegungen logischerweise weniger überrascht,
mit ihrem Mundwerk so präziese die unterschiedlichsten Dialekte
oder Stimmungen aufzurufen weiss. So braucht sie ausser einen Stuhl
tatsächlich kein weiteres Requisit, auch keine zusätzlichen
Mätzchen um ihr Publikum wachzuhalten. Letzten Endes ist das
Stück Comedy ziemlich reines Wasser, aber ohne Verschleisserscheinungen,
Überheblichkeit und Anbiederung an schlechten Geschmack.
Das Ganze spricht wohl viel mehr an, als so manches Befindlichkeitssolo
von Tänzerinnen, die wenig (und inflationär schon gar nicht)
geeignet sind, eine wichtige Kunstsparte in der Stadt am Leben zu
erhalten. Diese Art von Fremdgehen jedenfalls hilft nicht nur beim
Überleben, es schärft auch den Blick. Bis zum Herbst muss
man allerdings auf neue Begegnungen mit Karen warten - Nicole Meier
sollte man dagegen mit Sicherheit zur Tanzwoche im Juni treffen.