Der Untergang des Hauses Usher
nach Edgar Allen Poe
Premiere: 15.10.2003,
20.00 Uhr
weitere Vorstellungen: 18.10.2003, 21.00 Uhr
19.10.2003, 20.00 Uhr
im projekttheater dresden
Karten unter: 0351 - 810 76 0
Poe wurde am 19.01.1809 in Boston als Sohn von Schauspielern geboren. Er verwaiste schon im Alter von 10 Jahren. 1826 begann er ein Studium an der University of Virginia. 1827 kam er zum Militärdienst, von dem er 1831 entlassen wurde. 1838 heiratete er seine Cousine Virgiania Clemm, die 1847 starb und ihn hilflos zurückließ. Poe lebte in bitterer Armut und starb am 07.10.1849 in Baltimore, unter nicht geklärten Umständen.
"Als die Schatten des Abends herniedersanken am Ende eines grauen und lautlosen Herbsttages - durch eine eigentümlich öde und traurige Gegend durchgefahren - sehe ich vor mir die Melancholie des Hauses Aschers," sagt der Erzähler der Geschichte, der nur als Freund bezeichnet wird, als er sich dem seltsamen Haus annähert. Was er allerdings nicht weiss, dass er am Eingang eines Hauses mit eigener Seele steht und wird gleich in die skurille und schaurige Welt des englischen Schriftstellers Edgar Allen Poe eintreten.
Die Geschichte handelt von Roderick Usher, der letzte Nachkommen eines alten englischen Adelstammes. Ein höchst reizbarer Ekszentriker, der nur aus Nervenenden besteht und seiner Schwester, Magdalena. Mit ihrer unbeweglichen Miene und stilisierter Gestik, ist sie eine Mischung aus einer gothischen Femme Fatal und einer Statistin aus der Rocky Horror Picture Show. Zusammen leben sie in einer hermetischen Welt, die aus arabesquen Fantasien und deren nächtlichen Darstellungen von klassischen Schaudergeschichten. Wie zwei traurige Clowns laden sie Rodericks alten Freund deren Haus der Illussionen beizuwohnen und Zeuge des eigenen Untergangs zu sein.
Die theatralische Umbearbeitung der Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe wurde von Cory McLeod, der dem Dresdner Theaterpublikum mit "Greek" von Stephen Berkoff, "Mamma Schlemm" und "Karen" bekannt sein wird, inszeniert. "Wie viele andere Leute hat Poe mich schon immer fasziniert," sagt der Regisseur. "Wie kein anderer Autor versteht Poe nicht nur stilvoll, sondern auch mit unerbittlichem Humor, schaurige und psychologische Landschaften zu gestalten. Zudem ist es ein Genre in dem das Theater sich selten hineinwagt."
"Der Untergang des Hauses Usher" bedient eine ausgeprägte Theatralität und physischen Schauspielstil. Mit nur zwei Stühlen, ein Paar Requisiten und ein minimalistisches Bühnenbild schaffen die Darsteller das Haus und Poes Welt zum Leben zu bringen.
Es spielen:
Nicole Meier
Thomas Kressmann
Alexander Aue
Presse:
Sächsische Zeitung (Kultur ), 20.10.2003
Projekttheater,
Untergang des Hauses Usher
Cory McLeod setzt Edgar Alan Poes Geschichte in Szene Christian Ruf Ein Untergang
ist, außer dem abendlichen der Sonne, in der Regel keine erbauliche Sache.
Ob Oswald Spengler nun nach 1918 den Untergang des Abendlandes prophezeite
oder heute die Gewerkschaften den des Sozialstaates beklagen, stets ist das
Jammern und Heulen groß. Und auch "Der Untergang des Hauses Usher", so wie
ihn Edgar Allan Poe einst beschrieb, ist noch immer der pure Horror. Diesen
verbreiten Theater ja eher unfreiwillig, meist mit schlechten Inszenierungen,
aber am Projekttheater hat Cory McLeod nun Poes gruselige Kurzgeschichte aus
dem 19. Jahrhundert recht überzeugend in Szene gesetzt. Was ihn an den Geschichten
des amerikanischen Schauerautors reize, sei, schreibt McLeod im Programmheft,
"dass deren Wahrheitsgehalt nie ganz klar ist, sondern immer mit Mehrdeutigkeiten
verbunden ist". In der Tat: In dieser rund 60-minütigen Inszenierung ist nichts
eindeutig. Ständig kippen die Situationen und Momente, dem Schauer folgt Slapstick,
dem Grusel Gelächter. Denn der Regisseur, der auch für Text und Licht verantwortlich
ist, kombiniert - auch musikalisch - die Story aus dem 19. Jahrhundert mit
amerikanischen Grusel-Hörspielen aus den Fünfzigern und mit modernen Horrorfilmen.
So bittet Roderick Usher (Thomas Kressmann) beispielsweise seine Schwester
Magdalena (Nicole Meier), "Lass uns ,Shining' spielen!", und verbittet es
sich, mit solchem Kinderkram wie "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast"
belästigt zu werden. Beide Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, insbesondere
Nicole Meier, die mit unbeweglicher Miene und fast schon stilisierter Gestik
eine Mischung aus Femme Fatale, die sich in die Epoche der Gotik verirrt hat,
und einer Akteurin in der Rocky Horror Picture Show gibt. Und auch Alexander
Aue, der als Freund Rodericks nur besuchsweise vorbeischauen wollte, sich
damit aber in Lebensgefahr bringt, weiß zu überzeugen. Nicht jedes Bild, nicht
jedes Zitat erschließt sich, aber das ist vermutlich auch nicht beabsichtigt.
Wem das Horror-Genre nicht gänzlich fremd ist, aber auch mal darüber lachen
will, der liegt hier richtig.