P 18


12. Tanzwoche Dresden
projekttheater dresden

Premiere: 30.04.2003, 22:00 Uhr
weitere Vorstellung: 01.05.2003, 22:00 Uhr

Kulturzentrum Scheune
02.05.2003, 20:00 Uhr
03.05.2003, 20:00 Uhr



Idee / Konzeption:
Nicole Meier
Anja Epperlein


Es tanzen:
Nicole Meier
Anja Epperlein
Andreas Waschneck


Lichtkonzeption:
Maik Blaum


Zwangsgedanken sind immer wiederkehrende Ideen, Gedanken, Vorstellungen und Impulse, die in das Bewußtsein des Betroffenen einschießen. Häufig werden sie als quälend empfunden. Besonders Gedanken, die im Gegensatz zur Situation stehen, kommen gehäuft vor. Zum Beispiel während feierlichen Anlässen und Konzerten aufzuspringen und ordinäre Beschimpfungen von sich zu geben, bzw. einfach laut loszuschreien. Von den Zwangsgedanken sind Zwangsimpulse zu unterscheiden. Hierbei handelt es sich um Handlungsimpulse, die sich immer wieder zwanghaft und unwillkürlich aufdrängen. Die Personen haben ständig Angst, diese Handlungen auch tatsächlich auszuführen, was sie aber nur selten tun. Besonders aggressive Zwangsimpulse lösen große Angst aus, wie z.B. der Impuls, das eigene geliebte Kind zu verletzen oder zu töten. Auch sexuelle und gegen sich selbst gerichtete aggressive Zwangsimpulse kommen vor. Zwangsgedanken und -impulse werden nicht als von außen aufgezwungen erlebt.

Ich frage mich:
Ob Ich ich bin
Oder Du du bist
Oder Du mich zum ich gemacht hast
Oder Ich dich zum du gemacht habe
Oder Wir alle ich sind
Oder Alle du
Oder Gar ES uns gemacht hat
Oder Sind wir ES?

 

In Koproduktion mit der Tanzbühne Dresden
und mit freundlicher Unterstützung vom projekttheater dresden



Kritik:
Dresdner Neueste Nachrichten, 04.05.03

"Zwänge für Erwachsene ab 18, tänzerisch abstrakt betrachtet. Diese Grundidee steckt in der Aufführung "P18" der Company Carrot Dancers (Schweiz/Deutschland), die zur späten Walpurgisnacht Premiere im projekttheater hatte. Die Konzeption von Nicole Meier und Anja Epperlein, tänzerisch umgesetzt im Trio mit Andreas Waschneck, bringt zunächst ohne Zwang die Sitzordnung im Saal durcheinander. Die Zuschauer sitzen auf der Bühne, um eine Art Tanzstrip-Podest, transparent bekleidet mit Gaze-Stoff. Diese Spielfläche ist Andreas Waschneck vorbehalten, der im Dunkeln (im Fachjargon Black genannt) aus dem Inneren des Podests kommt und am Ende am Saaleingang hingezaubert wird. Er ist ein in Unterwäsche bekleideter männlicher Körper, der sich im Kreis bewegt und verschiedene Künste vorführt wie Drehen und Winden, Lachen ohne Freude, Selbst-Pieksen mit Stäbchen, Jonglieren. Die Geschicklichkeit des Tänzers mit Gummibändern und Bällen ist zu loben.
Um die Wirbelsäule der Zuschauer geschmeidig zu halten, bietet die Produktion weitere Spielflächen seitlich des Hauptkreises an. Wer schlau ist, dreht sich gleich mit dem Stuhl um - und während des garantiert folgenden Blacks kann man ja seine Position korrigieren oder abwarten, woher die nächste "Nummer" kommt. Epperlein und Meier variieren zwischen den vielen zum Ortswechsel reichlich bemessenen Blacks solo und einmal zu zweit Ideen, die nicht zwangsweise mit Zwängen zu tun haben: Das Zucken und Jucken während eines anständigen Konzertbesuchs vielleicht eher, der Tanz der weißen Socken im Stil des Schwarzen Theaters weniger. Augenzwinkern ist auch dabei - wenn Anja Epperlein den Eindruck erweckt, dass sie eine Puppe verspeist, während sie in Wirklichkeit Süßigkeiten nascht. Das Schnippeln von Obst und Gemüse, ein beliebtes modisches Element des Tanztheaters, wirkt dagegen völlig überflüssig. Die Stärke der Truppe, v.a. des weiblichen Teils, scheint das thematisch ungezwungene Experimentieren mit
Bewegungen nach selbst kreierten
Mustern. Allein wegen der Szenen dieser Art lohnte es sich zur späten Stunde." B. K.